Fischdatenbank

Fische (Pisces) sind wechselwarme, fast ausschließlich im Wasser lebende Wirbeltiere mit Kiemen. Etwa die Hälfte aller Wirbeltierarten sind Fische, dabei unterscheidet man Knochenfische (Osteichthyes), zu denen unter anderem Salmoniden, wie die Bachforelle, zählen, und Knorpelfische (Chondrichthyes), wie Haie Rochen und Störe. Zwei weitere Fischtaxa, die Panzerfische (Placodermi) und die Stachelhaie (Acanthodii), sind ausgestorben, die ältesten bekannten Fossilien von Fischen sind rund 450 Millionen Jahre alt. Ichthyologie nennt man das Forschungsgebiet, das sich mit Fischen befasst.

Auf dieser Seite werden hauptsächlich Knochenfische behandelt. Die Knochenfische (Osteichthyes) sind die artenreichste Gruppe der Wirbeltiere (Vertebrata). Im Gegensatz zu den Knorpelfischen ist das Skelett der Knochenfische ganz oder zumindest teilweise verknöchert, also mit Calcium-Einlagerungen versehen. Die Knochenfische werden in zwei deutlich unterschiedliche Klassen, die Muskelflosser (Sarcopterygii) und die Strahlenflosser (Actinopterygii), unterteilt. Während die Muskelflosser mit heute nur noch 8 lebenden Arten ihre Bedeutung vor allem dadurch haben, dass unter ihren fossilen Vertretern die Vorfahren der Landwirbeltiere (Tetrapoda) zu finden sind, stellen die Strahlenflosser mit etwa 27.000 Arten mehr als 96 % der Fischfauna. Auch heute noch werden sowohl im Meer als auch in Süßgewässern ständig neue Arten entdeckt.           

 Gliederung
  • Systematik
  • Merkmale
  • Innere Anatomie
  • Lebensräume
  • Lebensweise

Systematik

Infraklasse Echte Knochenfische (Teleostei)

  • Pholidophoriformes †
  • Leptolepiformes †
  • Tselfathiiformes †
  • Überordnung Knochenzünglerähnliche (Osteoglossomorpha)
    • Ordnung Ichthyodectiformes †
    • Ordnung Lycopteriformes †
    • Ordnung Mondaugen (Hiodontiformes)
    • Ordnung Knochenzünglerartige (Osteoglossiformes)
  • Überordnung Elopomorpha
    • Ordnung Tarpunartige (Elopiformes)
    • Ordnung Grätenfischartige (Albuliformes)
    • Ordnung Aalartige (Anguilliformes)
    • Ordnung Pelikanaalartige (Saccopharyngiformes)
  • Ostarioclupeomorpha
    • Überordnung Clupeomorpha
      • Ordnung Ellimmichthyiformesformes †
      • Ordnung Heringsartige (Clupeiformes)
    • Überordnung Ostariophysi
      • Ordnung Sandfischartige (Gonorynchiformes)
      • Ordnung Karpfenartige (Cypriniformes)
      • Ordnung Salmlerartige (Characiformes)
      • Ordnung Neuwelt-Messerfische (Gymnotiformes)
      • Ordnung Welsartige (Siluriformes)
  • Euteleostei
    • Überordnung Protacanthopterygii
      • Ordnung Lachsartige (Salmoniformes)
      • Ordnung Argentiniformes
      • Ordnung Stintartige (Osmeriformes)
      • Ordnung Hechtartige (Esociformes)
    • Überordnung Stenopterygii
      • Ordnung Maulstachler (Stomiiformes)
    • Überordnung Ateleopodomorpha
      • Ordnung Tiefseequappenartige (Ateleopodiformes)
    • Überordnung Cyclosquamata
      • Ordnung Eidechsenfischverwandte (Aulopiformes)
    • Überordnung Scopelomorpha
      • Ordnung Laternenfischverwandte (Myctophiformes)
    • Überordnung Lampridiomorpha
      • Ordnung Glanzfische (Lampriformes)
    • Überordnung Polymixiomorpha
      • Ordnung Bartfischartige (Polymixiiformes)
    • Überordnung Paracanthopterygii
      • Ordnung Barschlachse (Percopsiformes)
      • Ordnung Sphenocephaliformes †
      • Ordnung Dorschartige (Gadiformes)
      • Ordnung Eingeweidefischartige (Ophidiiformes)
      • Ordnung Froschfischartige (Batrachoidiformes)
      • Ordnung Armflosser (Lophiiformes)
    • Überordnung Stachelflosser (Acanthopterygii)
      • Mugilomorpha
      • Ordnung Meeräschenartige (Mugiliformes)
      • Atherinomorpha
      • Ordnung Ährenfischverwandte (Atheriniformes)
      • Ordnung Hornhechtartige (Beloniformes)
      • Ordnung Zahnkärpflinge (Cyprinodontiformes)
      • Percomorpha
      • Ordnung Dornfischartige (Stephanoberyciformes)
      • Ordnung Schleimkopfartige (Beryciformes)
      • Ordnung Petersfischartige (Zeiformes)
      • Ordnung Stichlingsartige (Gasterosteiformes)
      • Ordnung Kiemenschlitzaalartige (Synbranchiformes)
      • Ordnung Panzerwangen (Scorpaeniformes)
      • Ordnung Barschartige (Perciformes)
      • Ordnung Plattfische (Pleuronectiformes)
      • Ordnung Kugelfischverwandte (Tetraodontiformes)
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Salvelinus Alpinus
(1) – Kiemendeckel, (2) – Seitenlinie, (3) – Rückenflosse, (4) – Fettflosse, (5) – Schwanzstiel, (6) – Schwanzflosse, (7) – Afterflosse, (8) – Bauchflossen (paarig), (9) – Brustflossen (paar.)

Merkmale

Die meisten Knochenfische haben einen spindelförmigen, der Bewegung im Wasser wenig Widerstand leistenden Körper. Paarige und unpaarige Flossen dienen dem Antrieb und der Stabilisierung. Die paarigen Flossen sind die Brust- und Bauchflossen, die bei den Muskelflossern auf muskulösen Stielen sitzen und aus denen die Vorder- und Hintergliedmaßen der Landwirbeltiere hervorgegangen sind. Es kann je nach Fischfamilie eine, zwei oder drei Rückenflossen geben.

Die Flossen und die Anzahl und Art der Flossenstrahlen sind wichtige Merkmale in der Taxonomie.

Einige Knochenfische weichen in ihrer Gestalt völlig vom Grundbauplan der Fische ab. Bekanntestes Beispiel sind die Plattfische (Pleuronectiformes), die sich im Laufe ihrer Ontogenese auf eine Körperseite legen, die von da an die Unterseite bildet. Das Auge und die Brustflosse dieser Seite wandern auf die andere Körperseite, die von da an die Oberseite ist. Die Fische verlieren dadurch ihre Symmetrie.

Andere Fischfamilien, wie die Anglerfische (Antennariidae), die Steinfische (Synanceiidae) und die Fetzenfische (Solegnathinae) lösen mit einer Vielzahl von Körperauswüchsen ihre Konturen auf, um entweder als Räuber oder als potentielle Beute getarnt zu sein.

Innere Anatomie

Skelett

Das Skelett besteht aus Knochen, bei primitiven Arten teilweise noch aus Knorpel. Am Schädel befindet sich das Kiemenskelett aus vier Kiemenbögen, von denen der vordere zum Unterkiefer umgebildet ist. Die Wirbelsäule ist mit dem Schädel verbunden. In der Rumpfregion tragen die Wirbel Rippen, über die ganze Länge Dornfortsätze auf der Rückenseite, im Schwanzbereich auch auf der Bauchseite. In den Muskelscheiden von Knochenfischen befinden sich häufig Gräten (Gabelförmige Gebilde im Muskelfleisch) aus verknöchertem Bindegewebe. Zur Steuerung und Fortbewegung dienen die Flossen, die bis auf die Fettflossen mit knochigen Flossenstrahlen (Radien) verstärkt sind. Brust- und Bauchflossen sind paarig und mit dem Schulter- beziehungsweise – Beckengürtel verbunden. Die unpaarigen Rücken, Schwanz- und Afterflossen sind über Flossenträger mit der Wirbelsäule verwachsen.

Muskeln

Die Muskulatur der Knochenfische wird in Rumpf- und Flossenmuskulatur unterteilt. Die Rumpfmuskulatur besteht aus Einzelsegmenten, deren Anzahl meist der der Wirbel entspricht.

Kreislauf und Atmung

Knochenfische haben einen geschlossenen Blutkreislauf mit einem nahe an den Kiemen gelegenen, einfachen Herz, das aus einem Vorhof und einer Herzkammer besteht. Es pumpt venöses Blut direkt in die Kiemen, die aus zahlreichen, mit Kapillaren durchzogenen Blättchen, feinen Hautausstülpungen, bestehen. Die Kiemen nehmen über ihre große Oberfläche gelösten Sauerstoff aus dem Wasser auf und geben ihn an das Blut weiter. Die Kiemenspalten sind durch hornartige Kiemendeckel (Operculum) verdeckt. Durch die Absenkung des Mundbodens und das gleichzeitige Abheben des Kiemendeckels kommt es zu einem Einstrom von Wasser durch das Maul. Membranen an den Kiemendeckeln verhindern einen Einstrom des Wassers. Beim Auspressen schließt sich im vorderen Maulbereich eine Klappe und das Wasser wird durch die Kiemenspalten nach hinten ausgepresst.

Schwimmblase

Bei den meisten Knochenfischarten hat die Schwimmblase die Funktion, das spezifische Gewicht (die Dichte) zu regulieren, so dass sie ohne Kraftanstrengung im Wasser schweben können oder nur sehr langsam zu Boden sinken. Hervorgegangen ist sie aus einer Ausstülpung an der Oberseite des Darmeingangs; sie kann, wie bei den Karpfen, noch mit ihm verbunden sein (physiostom) oder, wie bei den Barschen, vom Darm getrennte Kammern bilden (physioklist). Zur Regulierung des spezifischen Gewichts werden Gase (Sauerstoff, Kohlendioxid, Stickstoff) aus dem Blut über die so genannte Gasdrüse oder einen Verbindungsgang zum Darm, den ductus pneumaticus in die Schwimmblase abgegeben.

Nervensystem und Sinnesorgane

Das Nervensystem ist einfach, das Gehirn klein, eine Großhirnrinde fehlt. Der Geruchssinn der Fische ist sehr ausgeprägt, Nasen- und Mundhöhle sind voneinander getrennt. Die Gleichgewichts- und Gehörorgan bestehen aus geschlossenen, flüssigkeitsgefüllten Blasen, bei einigen Arten sind sie durch bewegliche Knochen mit der Schwimmblase verbunden. Die Augen haben eine starre Linse, die auf Nahsicht fokussiert ist. Sie nehmen auch ultraviolettes Licht wahr. Besonders bei bodenlebenden Fischen ist der Tastsinn gut entwickelt. Vor allem an Lippen und Barteln befinden sich in der Oberhaut Sinneszellen, die Berührungsreize übertragen. Als „sechsten Sinn“ verfügen Fische über Organe zur Wahrnehmung von Wasserströmungen, die Seitenlinienorgane, die sich seitlich etwa in der Mitte über einen Großteil der Körperlänge  erstrecken. Sie bestehen aus einer Reihe von Hauteinstülpungen, in denen sich Sinneszellen mit Sinneshaaren befinden, die durch Strömungsveränderungen bewegt werden.

Lebensräume

Ozeane

Die Weltmeere haben einen Anteil von etwa 70% an der Oberfläche der Erde und sind damit der größte Lebensraum. Die Knochenfische, die die obere Schicht des offenen Ozean bis in eine Tiefe von 200 Meter als Lebensraum gewählt haben, machen aber nur etwas mehr als 1% aller Arten aus, zum größten Teil Angehörige der Makrelen und  Thunfische (Scombridae). Der größte Teil der marinen Knochenfische lebt in der Nähe der Küsten. Etwas mehr als 5% der Knochenfischarten bevorzugen die kalten Küsten als Lebensraum, der zugleich ein wichtiges Fischereigebiet ist, weil die kalten, küstennahen Meere sehr nährstoffreich sind und die Fische in großen Schwärmen vorkommen. Die warmen Küsten der Kontinente und tropischen Inseln sind wegen der vielfältigen ökologischen Nischen in Korallenriffen und Mangroven mit einem Anteil von mehr als 40% an der gesamten Knochenfischfauna der artenreichste marine Lebensraum. Die hier hauptsächlich vorkommenden Arten gehören zum großen Teil zu der Ordnung der Barschartigen.

Das größte zusammenhängende Korallenriff liegt an der Ostküste Australiens. Das Great Barrier Reef erstreckt sichüber 2.300km und birgt mehr als 1.500 verschiedene Fischarten. 1981 wurde das Riff von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und wird zu einem der sieben Weltwunder der Natur gezählt. Nicht nur ökologisch ist das Riff von großer Bedeutung sondern spielte durch den Tourismus im Jahr 2003 Australien mehr als vier Milliarden Australische Dollar ein und stellt daher einen großen wirtschaftlichen Faktor dar.

Süßgewässer

Obwohl der Anteil von Süßgewässern am Wasservorkommen der Erde nur 2,6 bis 3% beträgt, beherbergen die Flüsse, Bäche und Seen der Erde insgesamt etwa 40% aller Knochenfischarten. Die geografische Isolierung und Unterschiede in vielen Bedingungen, wie Untergrund, Temperatur, Fließgeschwindigkeit, Jahreszeiten, Sauerstoffgehalt, Härte und pH-Wert, führten zu einer großen Vielfalt von Anpassungen und Arten. Die meisten im Süßwasser lebenden Knochenfische mitca. 6.000 Arten gehören zu den Karpfenartigen (Cypriniformes), den Welsartigen (Siluriformes) und den Salmlerartigen (Characiformes).

Lebensweise

Fortbewegung

Zur Fortbewegung dient – zusammen mit einer seitlich schlängelnden Körperbewegung – vor allem die Schwanzflosse.

Fortpflanzung

Die Befruchtung findet bei den meisten Arten ohne Kopulation statt, stattdessen wird der weibliche Rogen (die Eier) und die männliche Milch (der Samen) etwa gleichzeitig ins Wasser abgesetzt. Dabei schwankt die Anzahl der Eier extrem: Störe legen mehrere Millionen, die brutpflegenden Stichlinge nicht mehr als hundert. Bei brutpflegenden Arten sind es häufig die Männchen, die die Pflege übernehmen.

Der zur Fortpflanzung fähige weibliche Fisch heißt „Rogner“, der fortpflanzungsfähige männliche Fisch wird „Milchner“ genannt.

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